Kennst du auch diese Momente in denen deine „Gefühle“ und Gedanken Achterbahn fahren? Jemand lässt eine Bemerkung fallen oder handelt unüberlegt und ohne dass du irgendwie gegensteuern kannst, bist du in einem Chaos aufwallender „Gefühlen“ gefangen. Deine beste Freundin sagt etwas in diesem bestimmten nörgelnden Tonfall und du bist von jetzt auf nachher stinksauer auf sie. Der Nachbar deiner Eltern biegt um die Ecke, dein Magen zieht sich zusammen und du denkst dir: „Oh ne, nicht die Nervensäge schon wieder.“ Doch handelt es sich hierbei wirklich um Gefühle?

Oft werden die Wörtern „Gefühl“ und „Emotion“ gleichbedeutend verwendet. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden.

 

Gefühle

Wir fühlen ständig. Unsere Gefühle begleiten uns zu jeder Zeit. Sie entstehen aus dem Augenblick, aus dem JETZT. Wenn wir unsere Gefühle bewusst wahrnehmen, verschwinden sie nach ein paar Sekunden bis Minuten wieder. Sie dienen uns als wertvolles Navigationssystem, dass uns aufzeigt, was es gerade zu tun gibt.

Es gibt vier Gefühlsgruppen: die Wut, Angst, Freude und Traurigkeit. (Weitere Gefühlsbegriffe, wie fröhlich, genervt, unzufrieden, zitterig und so weiter, können diesen vier Gefühlsgruppen zugeordnet werden.) Vielleicht ist auch dir gesagt worden, dass es nicht OK ist zu fühlen. Denn oft wird Gefühle zeigen gleich gesetzt mit Schwäche zeigen. (Männer werden beispielsweise als Heulsußen abgestempelt und Frauen als hysterische Weiber.) Doch Gefühle sind neutrale Energie und Information, die uns professionell dienen.

Wenn du die Straße entlang fährst und ein Reh kreuzt unerwartet deinen Weg, dann schießt ziemlich sicher Angst in dir hoch. Diese Angst führt dazu, dass du sehr reaktionsschnell und wach wirst. Ohne zu überlegen trittst du auf die Bremse, hälst dein Steuer fest und fährst so das Reh nicht über den Haufen. Wenn du erfolreich gebremst hast, fällt dieses Angst-Gefühl in der Regel 2016-12-12_unterschied_g_esehr schnell wieder von dir ab. Deine Angst hat dir gedient, in einer solchen Situation angemessen zu reagieren. Genauso kann dir deine Wut dienen, um eine klare Grenze zu ziehen; deine Freude, andere zu begeistern oder deine Traurigkeit, um los zu lassen und dich zu verabschieden. Indem du Gefühle bewusst wahrnimmst, verantwortlich nutzt und s
omit vollendest, verschwinden sie direkt wieder.

 

Emotionen

Im Gegenzug zu Gefühlen, dauern Emotionen wesentlich länger. Grundsätzlich fühlen sie sich genauso an wie Gefühle, doch sie treten Minuten, Stunden oder sogar Tage auf. Wenn du also länger als ein paar Minuten etwas fühlst, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass es sich hierbei um Emotionen handelt. Diese kommen nicht aus dem JETZT, sondern haben andere Quellen.

Zum einen ist es möglich, dass wir Gefühle von anderen übernommen haben. Weiterhin könnten wir unvollendete Gefühle aus der Kindheit als altes Emotions-Paket mit uns herum tragen, oder wir dienen den unverantwortlichen „Gefühlen“ unserer Schattenabsichten. Alle drei Arten von Emotionen sind KEINE (aktuellen) Gefühle!

Damit die Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen deutlicher wird und du dir etwas unter den Eltern-, Kind- und Gremlin-Emotionen etwas vorstellen kannst, möchte ich dir ein paar Beispiele nennen.

 

Eltern-Emotionen

2016-12-12_autoritätBei den Eltern-Emotionen handelt es sich um Gefühle, die wir ungeprüft von anderen übernommen haben. Dies können Gefühle der eigenen Eltern oder anderen Autoritätspersonen, wie des Lehrers oder Chefs sein. Diese nicht authentischen Gefühle könntest du auch von Institutionen, wie beispielsweise Religion, Politik, Regierung oder Kulturen übernommen haben.

Vielleicht schimpft dein Chef immer auf die Inkompetenz des Controlling-Leiters. Du selbst, hattest noch keine Besprechungen mit dem Herrn, doch wenn du ihm auf dem Flur begegnest, wallen in dir abneigende Gedanken hoch. „Der sieht schon so eingebildet aus.“ Hier handelt es sich nicht um ein Gefühl, das aus dem JETZT aufgekommen ist, sondern um einen Glaubenssatz den du von deinem Chef übernommen hast. Ein anderes Beispiel: Eine Bekannte von mir spürt jedes Mal, wenn sie an einer bestimmten Ecke im Park vorbei geht, Angst. Auch wenn es taghell ist oder sie in Begleitung von jemand anderem ist. Woher kommt ihre Angst? Sie erzählte, dass an dieser Ecke eine ihrer Freundinnen einmal von mehreren Jugendlichen angepöbelt worden ist.

Bei Eltern-Emotionen geht es stark um Bewusst werden. Kannst du klar unterscheiden, ob du ungeprüft Gefühle und Glaubenssätze von anderen übernommen hast und sie dich heute noch behindern? Wenn du dich mit deinem Eltern-Ich identifizierst, dann hörst du vielleicht tadelnde / kritische, oder auch nährende / lobende Stimmen. Das können so Sätze sein wie: „Du bist zu dumm, das kriegst du doch nie hin.“ Oder „Du bist halt was Besonderes.“ Sobald du das erkannt hast, ist es an der Zeit dich Abzugrenzen und das „zurück zu geben“ was nicht zu dir gehört. Das sind nicht deine eigenen Gefühle die du da spürst. Prüfe, was du ungefiltert von anderen übernommen hast, auch an Glaubensätzen, die sich wie deine eigenen Gedanken äußern.

 

Kind-Emotionen

2016-12-12_kindManchmal bringen wir auch unvollendete Gefühle aus der Vergangenheit mit. Dabei handelt es sich um Kind-Emotionen. Möglicherweise war es damals nicht in Ordnung oder ungefährlich, die eigenen Gefühle auszudrücken. Stattdessen haben wir sie weg gepackt und in unser Zellsystem eingeschlossen. Oft tragen wir ein großes Paket an Emotions-Müll mit uns herum und wissen es nicht einmal. Stattdessen denken wir, es wären unsere Gefühle.

Vielleicht sagt oder tut jemand etwas und drückt dabei einen „roten Knopf“ bei dir. Dabei erinnerst du dich – häufig unbewusst – an eine Situation aus deinem Leben in der du deine Gefühle nicht vollenden konntest. Diese Emotionen brechen mit einer unglaublichen Gewalt ans Tageslicht, so dass es meist in einem Streit oder mit zumindest ziemlich verletzenden Worten endet. Du projizierst das unvollendete Gefühls-Chaos aus der Vergangenheit auf die Person, die dir gegenübersteht. Dieser Mechanismus wiederholt sich wieder und wieder, so lange bis du diese unvollendeten Gefühle bewusst (in einem Gefühlsprozess oder Coaching) ansiehst und du alte Entscheidungen auflöst. Da sind wir wieder beim Thema Verantwortung. Das wir streiten liegt also meist gar nicht daran, dass der andere ein unsensibler Fiesling ist, sondern ganz alleine daran, dass bei uns eine alte Verletzung getriggert wurde.

 

Gremlin-Emotionen

2016-12-12_gremlinJetzt wird es fies. Die dritte und letzte Kategorie unserer Emotionen ist die Gremlin-Emotion, die zu den genannten noch oben drauf kommt. Der Gremlin ist der König deiner eigenen Unterwelt – auch bekannt als der innere Schweinehund. Er liebt nichts mehr, als ein niederes Drama (ein Spiel der unbewussten, niederen Absichten) zu inszenieren und dabei Nähe und Beziehungen zu zerstören. Vielleicht kennst du das auch, dass du dich schon einmal mit jemanden eine gefühlte Ewigkeit gestritten hast und hinterher wusstet ihr gar nicht mehr worum es eigentlich ging. Ja, unser Gremlin will mit aller Macht Recht haben, es besser wissen, manipulieren oder seine Überlegenheit demonstrieren. Und das sind nur einige mögliche Schattenaspekte. Prüfe einmal für dich, wie oft bei dir Neid, Groll, Rache, Eifersucht, Arroganz, Habgier … auftaucht. Jeder von uns hat unterschiedliche Schattenprinzipien – die Liste scheint endlos lang.

Um diese Art von Emotion in den Griff zu bekommen, geht es wieder im Bewusstsein. Indem du dich mit deinen Schattenprinzipien auseinander setzt, kannst du deinem eigenen Gremlin zuvorkommen. Du kennst ihn genau und weißt, was er gerne „frisst“. Das kannst du dir zu Nutze machen, indem du deinen Gremlin an die Leine nimmst und ihm gezielt Aufgaben gibst und ihn fütterst. (Auch hiervon berichte ich gerne in einem weiteren Blog-Artikel.)

 

2016-12-12_3arten_emotionen

Das Gefühls-Chaos entwirren

Deine Emotionen haben nichts mit deinem Gegenüber zu tun. Mache dir bewusst, dass dein Partner oder Freund der Spiegel ist, der deine Punkte aufzeigt, an denen Heilung geschehen kann. Wie du ja bereits mitbekommen hast, handelt es sich in den meisten Fällen gar nicht um ein Gefühls-Chaos. In der Regel sind es alte Emotionen, die hoch wallen. Ich lade dich ein, bewusst zwischen Gefühlen und Emotionen zu unterscheiden. Nutze deine Klarheit als erwachsener Verantwortlicher, um diesen Unterschied war zu nehmen und Gefühle zu vollenden. Wie kann dir dies gelingen?

  1. Nimm war, dass gerade ein „roter Knopf“ bei dir gedrückt wurde
  2. Halte inne, indem du erst einmal ein paar Mal durchatmest. Sag zu dir selbst „Das hat nichts mit meinem Gegenüber zu tun. Das ist gerade eine Emotion, die bei mir hoch wallt.“
  3. Wenn du deinen Autopiloten erfolgreich gestoppt hast, dann kannst du dem ganzen auf den Grund gehen: „Worum geht es hier wirklich?“ Das ist der erste Schritt zur Selbstveränderung. So lässt du deinen Frust nicht ungefiltert an dem anderen aus, sondern entscheidest dich dafür bewusste Gefühlsarbeit zu machen.
  4. Suche dir einen geschützten Raum, in der du bewusste Gefühlsarbeit machen kannst. Dies kann ein Prozess ein einem Training oder Einzelcoaching sein, oder du kannst über die Situation, in der eine alte Verletzung hoch kam mit deinem Möglichkeiten Team reflektieren.

 

Merke:

  • Gefühle dienen dir, um etwas verantwortlich zu tun. (Um ins fühlen zu kommen, musst du deine Taubheitsschwelle herunterfahren.)
  • Emotionen dienen dir, um alte Verletzungen zu heilen, dich abzugrenzen und dir bewusst über bestimmte Strategien zu werden.

Welche Unterscheidungen hast du schon in Bezug auf Gefühle und Emotionen gemacht?

Alles Liebe,
Lisa