„Hilfe! Ich habe die ganze Zeit diese negativen Gedanken und diese urteilenden Stimmen. Sie lassen mir kaum einen Moment der Ruhe.” Erkennst du dich darin wieder?

 

Dieser Text baut auf dem Artikel „S.T.O.P.  I.T. – Wie du aufhörst, dich selbst fertig zu machen” auf. In dem Artikel hast du bereits mit der Wahrnehmung dieser destruktiven Gedanken experimentiert. Aber wie kannst du effektiv mit hartnäckigen, immer wiederkehrenden Stimmen umgehen? Das möchte ich hier mit dir erkunden. 

 

Mit Stimmen meine ich diese wiederkehrenden Aussagen oder Fragen in deinem Kopf, die mit einer bestimmten Einfärbung von Selbstzweifel oder -hass daher kommen. Stimmen, die du sicherlich auch von dir kennst, wie: “Ich bin nicht gut genug“, „Oh, Mensch, was hab ich denn da schon wieder gemacht?” oder “Ich bin doch echt zu blöd”. Diese Gedanken klingen meist harsch, anklagend oder zweifelnd.

 

Ein weitverbreitetes Selbsthilfe-Werkzeug sind Affirmationen, die versuchen, diese wenig hilfreichen Stimmen umzuprogrammieren. Dabei handelt es sich um Beteuerungen gegenüber dir selbst. Typische Affirmationen sind zum Beispiel: “Ich bin großartig”, “Alles wird gut”, oder “Ich glaube an meine Ziele.” 

Warum Affirmationen (in den meisten Fällen) nicht funktionieren

Das Problem mit den Affirmationen ist, dass du versuchst etwas, was du als negativ wahrnimmst, mit etwas zu überpinseln, was du als positiv bewertest. Da liegt bereits der Hund begraben – du bewegst dich in einer Welt von richtig und falsch. Du glaubst, dass du anders sein müsstest. Du versuchst dich zu betäuben, indem du dir einredest, du seist toll, schön, oder schlank. Affirmationen funktionieren nicht, wenn du nicht spürst, dass du das auch bist.  Diese Technik führt sogar eher zu Widerstand, denn dein Unterbewusstsein weiß, dass du nicht getreu dessen lebst, was du dir erzählst.  

 

Um noch einmal zurückzukommen auf “richtig” und “falsch”. Sobald auf dem, was du tust oder bist, auch nur die leiseste Spur an Bewertung liegt, wird dich diese Methode an die Wand fahren. Denn selbst vermeintlich positive Gedanken oder Stimmen können ein Schachzug deiner Unterwelt sein, dich als etwas Besseres fühlen, über andere zu stellen oder zu betäuben. “Ich bin großartig (und keiner kann mir das Wasser reichen).“, „Ich bin etwas Besonderes (und deswegen brauche ich nicht in Kontakt gehen).”, oder “Ich lebe meine Bestimmung (und bin daher nicht offen für Feedback).”

 

Also, was tun mit all diesen Stimmen, die dir sagen, du seist ein schlechter Mensch, dich kritisieren oder dir vorgeben, was du tun solltest?

Glaub diesen Stimmen nicht

Glaub bitte rein gar nichts, was du denkst. Und glaub erst recht nicht diesen Stimmen, die um dich herum schwirren. All das sind erst einmal nur Geschichten. Geschichten von (zu) gut oder (zu) schlecht.

Wann und unter welchen Umständen glaubst du von dir, du seist das verantwortliche Opfer, der böse Täter oder mal wieder der ausgelaugte Retter? Es sind eine Menge Geschichten davon, wie das Leben oder du selbst sein solltest. Wir sind alle großartige Geschichtenerzähler und glauben auch noch daran, was wir uns so einreden. Eine erste Vorübung, um eine Lücke zwischen dir und deinen Geschichten zu kreieren, ist mitzubekommen, wann und wie du von ihnen verschluckt wirst. Bemerke folgendes: Wie verändern sich deine Emotionen, dein Stimmungsbild, deine Haltung oder deine Reaktionen? Welche Art von Geschichten ziehen dich runter? Welche lassen dich überheblich werden? Welche Stimmen sind destruktiv und welche Gedanken dienen dir? 

Der Unterschied zwischen Gedanken und Stimmen

Quelle: https://www.iwastesomuchtime.com/

Es gibt einen kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen Gedanken und Stimmen. Gedanken können sehr hilfreich sein. Beispielsweise wenn du Fakten sortierst, etwas planst oder etwas berechnest. Dein Gehirn ist großartig, sich Gedanken über etwas zu machen und eine Lösung zu finden. Doch wenn deine Gedanken mit dir durchgehen und du dich nur noch im Kreis drehst, dir Dinge kaputt denkst, ist das wenig hilfreich. 

Stimmen fühlen sich vielleicht erst einmal an wie deine Gedanken, sie sind es aber nicht. Es sind Stimmen, die du übernommen hast. Ich lade dich zu einem kleinen Experiment ein, vollkommen wertfrei diesen Stimmen zuzuhören und aufzuschreiben. Achte dabei darauf, mit welcher Einfärbung sie daher kommen und von woher du sie kennst. Ziemlich schnell wirst du herausfinden: “Oh, wow, das hat meine Mutter früher immer zu mir gesagt”, oder “Das ich nicht klug sei, habe ich aus der Schule von Herrn Maier gelernt”. 

 

Diese Stimmen kommen nicht aus deinem erwachsenen Ich, sondern haben andere Ursprünge. Sie sind nicht deine echte Stimme. In einem erwachsenen Seins-Zustand ist es tatsächlich sehr ruhig. 

Stimmen haben unterschiedliche Quellen

Bitte erkenne an, dass du diese Stimmen hast, aber dass du nicht diese Stimmen bist. Sie tauchen auf und ziehen vorbei wie Wolken. Du kannst ihnen Glauben schenken und dich von ihnen beeinflussen lassen, oder etwas ganz anderes ausprobieren. 

 

Diese Stimmen können aus verschiedenen Quellen kommen. Beispielsweise von deinen Eltern, dem Grundschul-Lehrer oder dem Priester.

Autoritätspersonen
Oft sind es Stimmen von „Autoritätspersonen“, die du ungefiltert in dich hinein gelassen hast. Irgendwann denkst du vielleicht sogar, dass das deine Meinung ist. Diese externen Stimmen beinhalten Aufforderungen, was du tun solltest, wie du sein solltest oder was verboten sei. “Nie bist du gut genug”, “Du hast keine Ahnung”, “Das darf ich nicht”, oder “Ich sollte zufriedener sein”. Die Maschinerie der Selbstverurteilung geht los. 

 

Diese Stimmen sind häufig daran zu erkennen, dass sie den Tonfall dieser Person haben. Das ist aber nicht immer gegeben und es lohnt sich, wenn du dir diese “Glaubenssätze” in einem emotionalen Heilungsprozess anschaust. Gehe nicht darüber hinweg, dass diese Stimmen dich auf ein nicht geheiltes Trauma aus der Kindheit hinweisen wollen.

Wenn du den emotionalen Heilungsprozess gemacht hast, verändert das bereits etwas mit den Stimmen. Viele verschwinden, manche kommen noch ab und zu wie ein Echo zurück. Diese Stimmen kannst du dann ganz getrost mit einem Stimmen-Colt abschießen. Wie das genau geht, erfährst du in Experiment Nummer 1 oder sehr ausführlich auf der Webseite Voice Blaster

 

Gremlin
Eine weitere Ursache für diese Stimmen ist dein Gremlin, der König oder die Königin deiner eigenen Schattenwelt, der diese Stimmen nutzt, um dich zu sabotieren. Der Gremlin ist der Teil von dir, der alles, was es braucht, daran setzt, um deine Überlebensstrategie aus der Kindheit weiter erfolgreich umzusetzen, obwohl du inzwischen eigentlich erwachsen sein könntest. Diese Stimmen hindern dich daran, deine Projekte umzusetzen, untergraben deine eigene Integrität und wollen, dass du echte Verantwortung vermeidest: “Ich bin müde. Was macht es denn überhaupt für einen Unterschied, ob ich das jetzt fertig mache oder nicht?”, “Ich sollte dafür viel mehr Geld bekommen”, “Du bist ein Vollversager”, oder “Aus dir wird nie was”. Ja, die letzten beiden Beispiele könnten auch von einer Autoritätsperson kommen, aber kannst du dir je sicher sein, dass dein Gremlin sich nicht genau diese Stimmen schnappt, um dich weiter klein zu halten?

Viele Gremlins nutzen Selbstkannibalisierung als extreme Überlebensstrategie, um weiter klein und angepasst zu bleiben. Was bei diesen Stimmen funktioniert ist: Humor! Entkräfte die Stimme deines Gremlins, indem du lächelst, dich bei deinem Gremlin bedankst und sagst: “Ja, ich bin ein Vollversager …” Dann wendest du deinen energetischen Blick um 180 Grad (tatsächlich kannst du dich dabei auch physisch in eine andere Richtung drehen und deinen angefangen Satz weiter sprechen “… und ich bin …” Diesmal bringst du all diese Qualitäten, die auch in deinem Leben durch dich wirken. Wir sind hier nicht bei der oben erwähnten Affirmation, sondern du kannst wirklich spüren, dass diese Qualitäten durch dich in die Welt kommen. Wenn du dir damit unsicher bist, lass dir Feedback aus deinem Team geben, was sie in dir sehen. Setze also den Satz fort: “… Lebensfreude. Ein Forscher, der gerade Neues ausprobiert.” 

 

(Lies dir bitte auch noch einmal dazu den Artikel durch:  „S.T.O.P.  I.T. – Wie du aufhörst, dich selbst fertig zu machen” und vor allem das Experiment, wo du die eigene Peitsche gegen dein inneres Schwert der Klarheit austauscht.)

 

Gesellschaft (Werbung, Rollenbilder, …)
Diese Stimmen kommen aus einem nahezu perfekten Weltbild, wie sie unsere Gesellschaft in sich trägt, über Beruf, Aussehen, Familienleben, Ernährung, Sport, Gesundheit und so weiter. “Ich muss 5 Kilo abnehmen”, “Ich sollte mich besser bilden”, “Ich brauche auch so eine fancy Armbanduhr” oder “Ich werde alt – jetzt sollte ich mich langsam mal beeilen mit der Familiengründung”.

 

Bei dieser Art von Stimmen ist Vorsorge das beste Mittel. Schaust du immer noch Werbung? Mit welchen Menschen umgibst du dich? Hängst du in den sozialen Medien und vergleichst dich? Und jetzt die eigentliche Frage: Tut dir das gut, oder fördert das genau diese destruktiven Stimmen in dir? Wenn ja, dann ist es Zeit für einen kalten Entzug. Stoppe deinen Medienkonsum. Kündige falsche Freundschaften auf. Hör auf die Nachrichten zu lesen und beobachte, wie sich das auf deine innere Ruhe auswirkt. 

 

Kennst du den Film “Alles steht Kopf” mit der Szene, in der Rileys Gedächtnis ihr immer wieder den Kaugummi-Song in Erinnerung ruft? Den Ausschnitt findest du dazu hier auf YouTube. Wenn du deinen Erinnerungen (Stimmen) keine Bedeutung gibst, verblassen sie. Was wäre also, wenn du solchen Werbestimmen gar keinen Stellenwert mehr in deinem Leben einräumst und deinen Lagermitarbeitern im Kopf damit die Erlaubnis gibst, diese zu entsorgen? Funktioniert im Übrigen auch mit anderen Stimmen, nicht nur mit Werbejingles. 

 

Ich wünsche dir erfolgreiches Experimentieren und bleib am Ball, der nächste Artikel erscheint nächsten Monat. 

 

Mit Herzensgrüßen,

Lisa

 

P. S. Für weitere Informationen über den transformatorischen Umgang mit destruktiven Mustern wende dich bitte an info@lisaommert.com

 

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Experimente

Hier stehen üblicherweise Experimente. Diese habe ich diesmal bereits im Text untergebracht. Hier gibt es noch einmal eine kurze Übersicht der Experimente. 

 

Experiment 1: Nimm deine Geschichten wahr

Liste deine Geschichten auf, die du über dich hast. Beginne jeden Satz mit:

„Ich bin… (schön, cool, nicht cool, hässlich, unwürdig, langweilig, nervig, klug, idiotisch, freundlich, anpassungsfähig, verrückt, liebenswert, nett, sprudelnd, usw…“

„Ich bin eine Tochter, ein Sohn, eine Mutter, eine Ehefrau, ein Ehemann, ein Betrüger, ein Geschäftsmann, eine reiche Person, eine Elite, weiß, schwarz, reich, arm, ein Flüchtling, …“

All diese Geschichten sind Teil deiner Box. Was für Geschichten trägst du mit dir herum? Was ist dein Beweis dafür, dass du ein Opfer bist? Wie lassen diese Geschichten über dich die Stimmen auftauchen?

 

Experiment 2: Führe ein Stimmen-Tagebuch und benutze den Voice Blaster

Gehe auf die Webseite Voice Blaster und mach dort direkt die zahlreichen Experimente mit dem Stimmen-Colt. Hab Spaß dabei!

 

Experiment 3: Nutze Humor, um deine Gremlin-Strategien zu entkräften

Jedes Mal, wenn du deinen Gremlin erwischt, dass er Stimmen nutzt, um dich selber fertig zu machen, wende dich deinem Gremlin zu und schau ihm in die Augen. 

Schmunzle und sage ihm einen Satz wie diesen: „Ja, du hast Recht, ich bin echt ein Vollpfosten! Witzig, gell? Und weißt du was? Ich bin so viel mehr als das. Ich bin ….“ und dann sage all die Qualitäten, die durch dich wirken. Beispielsweise: Forschergeist, Abenteuer, Möglichkeit, Miteinander, Verbindung. 

 

Experiment 4: Detox – Kalter Entzug

Stoppe deinen Medienkonsum. Kündige gefälschte Freundschaften. Hör auf, die Nachrichten zu lesen und beobachte, wie sich das auf deinen inneren Frieden auswirkt. Mache das über einen Zeitraum über mindestens vier Wochen.

Checke mit deinem Möglichkeiten Team regelmäßig über das Experiment ein.